Entlang des Flusstales der Vézère, Geburtstätte der Vorgeschichte, befindet sich die Grotte von Lascaux - um genauer zu sein, im Südwesten der Dordogne in der Kommune Montignac. In diesem Tal befinden sich die meisten vorgeschichtlichen Orte in Westeuropa. Die Grotte von Lascaux ist innen verziert und bildet ein wichtiges Zentrum der Höhlenmalerei.
Am 8. September 1940 entdeckt ein Jugendlicher der Kommune, Marcel Ravidat, mit seinem Hund seiner Meinung nach den Eingang eines Fuchs- oder Hasenbaus. Als er Steine in die Öffnung wirft, bemerkt er jedoch, dass sich hinter diesem Loch eine große Aushöhlung befindet. Vier Tage später kommt er mit drei Freunden zurück, um die Grotte zu erfroschen. Ohne sich über die Wichtigkeit ihres Fundes im Klaren zu sein, erzählen die vier Jugendlichen ihrem früheren Lehrer Léon Laval davon. Dieser verständigt daraufhin den Vorgeschichtler Pfarrer Henri Breuil.
Aufgrund des Ausmaß der Malereien macht Pfarrer Henri Breuil die Grotte von Lascaux zur "Sixtinischen Kapelle der Höhlenmalerei"(« la Chapelle Sixtine de l’art pariétal »). Tatsächlich ist die Grotte mit etwa 600 Tieren und 400 verschiedenen Zeichen von Boden bis Decke verziert. Unter den Tieren befinden sich 355 Pferde und 107 Paarhufer, Auerochsen und Bisons. Es gibt jedoch nur einen Hirsch, obwohl dieser zu der Zeit als beliebtes Wild gilt. Mammuts gibt es gar nicht. Einige Figuren bleiben rätselhaft und geben Anlass zu verschiedensten Interpretationen. Ein Beispiel ist die Malerei mit dem Namen "La Licorne"(das Einhorn). Malereien und Gravuren beeindruckende durch ihre besondere Technik und viele Tiere sind in Bewegung dargestellt. Die Künstler haben sich die Höhle und das Relief zunutzen gemacht, um perspektivische Effekte zu erzielen. Die Grotte hat eine Fläche von 235 Metern, geteilt in sieben verzierte Bereiche und aufgeteilt auf drei Verkehrsachsen.
Die Grotte steht seit September 1940 unter Denkmalschutz und trägt die Klassifizierung "Monument historique". Am 14. Juli 1948 wird sie eröffnet und lockt bald eine große Zahl von Besuchern an. 1955 zählt man 30 000 und 1960 schon 100 000. Aufgrund zu vieler Besucher muss die Grotte 1963 wieder geschlossen werden: Das häufige Besuchen verursacht einen zu hohen Kohlendioxidwert und eine erhöhte Temperatur im Inneren der Grotte sowie beträchtliche Kondensation. All diese bioklimatischen Faktoren schaden den Malereien. Der Besitzer veranlasst 1972 die Erbauung einer Facksimile, um die eigentliche Grotte zu schützen, aber trotzdem der Öffentlichkeit den Zugang nicht zu verwehren.
Lascaux II, 1983 eröffnet, liegt in dem gleichen Felsen wie die Grotte von Lascaux. Der Ort ist teilweise versteckt. Er imitiert exakt zwei verzierte Bereiche: la Salle des Taureaux ( Saal der Stiere) und le Diverticule Axial (Axialer Seitengang). Somit sind etwa 90% der Originalgemälde vorhanden. Das Relief der Grotte, die Malereien und die Gravuren wurden originalgetreu nachgemacht, um dem Besucher den Eindruck der echten Grotte zu vermitteln. Zwei museographische Schleusengänge wurden erbaut, um die Geschichte der Grotte zu erzählen und die Technik der Künstler aus der Epoche zu erklären. Lascaux ist das ganze Jahr über (außer Januar) geöffnet und 40 Minuten lange Führungen werden angeboten.
Die Internetseite des Fremdenverkehrsamts des Tals Vallée de la Vézère
© Ein Artikel von Valeen Barraud - Détours en Limousin
Übersetzung: Julia Mannagottera
Bildtitel: Semitour Périgord
Letzte Aktualisierung: April 2011